Schmerztherapie

Nur wenige Schmerzmittel haben die Kinder- und Jugendmedizin der letzten 20 Jahre so bereichert wie die Soft-Creme EMLA*! Heute gilt wie vor 16 Jahren auf dem 1.deutschen Symposium über Analgesie bei Kindern:

"Nur 10 % der Kinder mit Schmerzen erhalten Schmerzmittel, aber 90% der Erwachsenen ohne Schmerzen nehmen Schmerzmittel !

Schon 1984 konnten wir Schmerzen mit dieser Zaubercreme zu vermeiden. Seitdem hat diese Wundercreme für die Kinder meiner Praxis in 18 Jahren unendlich wertvolle Dienste geleistet. Trotzdem gibt es Gründe in der ambulanten Pediatrie, das 5% Gemisch von 25mg Lidocain und 25mg Prilocain in 1g Basis-Creme individuell einzusetzen:

Unter Folie occlusiv auf die Haut aufgetragen wirkt EMLA auf Schmerz-Nervenfasern in einer Tiefe von maximal 4 mm. Die vollständige analgetische Wirkung ist nach 45 Minuten erreicht und hält 4 bis 6 Stunden an. EMLA verwenden wir in der Praxis stets bei angemeldeter

1) Blutentnahme vor OP´s, bei langfristig geplanten diagnostischen Blutentnahmen oder im Rahmen von Impfstoff-Studien. Obwohl EMLA-Creme ein Meilenstein in der Lokalanästhesie der Pädiatrie ist, gibt es für die ambulante Pädiatrie mit 80 - 160 Patienten in 10-12 Arbeitsstunden pro Tag einer Einzelpraxis Gründe, EMLA nicht routinemäßig einzusetzen:

a) Die Dringlichkeit einer Blutentnahme läßt oft eine Einwirk-wartezeit nicht zu.

b) Blutentnahmen sind vom Zeitpunkt wie auch vom Entnahmeort her variabel und selten planbar. Im Gegensatz zur Klinik liegen die Kinder in ambulanten pädiatrischen Praxen nicht stationär, sind bei Einbestellung zu Impfungen oder präoperativen Blutentnahmen oft so infektkrank oder teilen überraschend den Start in eine Ferienreise mit, sodaß Impfungen oder Operationen verschoben werden müssen. Oft ist die Compliance so schlecht, daß aus dem Stand heraus eine BE oder Impfung deshalb entschieden wird, weil manche Eltern zu vielen Terminen mit ihrem Kind nicht erscheinen.

c) Viele Eltern sehen die Notwendigkeit einer Analgesie mit EMLA für eine BE oder Impfung nicht ein. Es gibt Kinder und Jugendliche, die den Einstichschmerz einer BE nicht spüren.

d) Eltern erscheinen häufig erst nach 9 Uhr, haben oft keine Zeit, kommen unangekündigt zu präoperativen Untersuchungen.

e) das Gemeinschaftslabor holt Seren und EDTA-blut am frühen Vormittag ab (9.30 h), so bleibt oft keine Zeit für das Einwirken der Creme.

f) Die EMLA-Analgesie erreicht meist nicht die Gefäßwand und umgebende Subcutis. EMLA täuscht bei BE eine Schmerzfreiheit vor. Die Lösung der Endotheladhäsion von der Metallnadel ist schmerzhaft und nicht zu verhindern.

g) Bei kleinen Eingriffen werden die Kinder nach gelungener Oberflächenanästhesie vom muskulären Tiefenschmerz überrascht.

h) Die EMLA Creme verursacht eine Hyperämie mit der Folge einer längeren Nachblutung ;

ein Wundverschluß mit Histacryl gelingt oft nur unter Blutleere.

Bei Impfungen ist die Wirkung von EMLA nicht ausreichend:

Bei 20.000 Impfungen in 18 Jahren spürten über 60% der Patienten keinen Einstichschmerz, wenn eine 27 G Terumo-Nadel mit optimiertem Schliff im 90° Grad Einstichwinkel auf ein gefäßarmes Areal der Haut im Bereich des M.vastus lateralis des M.quadriceps femoris, bei Jugendlichen und Erwachsenen auch M.deltoideus, federnd aufgesetzt wird; der Impfort sollte oberflächlich bei gutem Licht betrachtet werden. Ältere Patienten sollten vor dem Stich nach Oberflächenschmerz gefragt werden. Unter altersentsprechender Ablenkung des Patienten gelingt bei entspannter Muskulatur meist eine schmerzarme Einführung der Nadel in den Muskel bei 2-4 cm Tiefe. Nach der Applikation des Impfstoffes verhindert Kompression des Stichkanals den Schmerz durch Rückfluß der Vaccine. Der Schmerz kann bei Säuglingen und Kleinkindern an der Mimik am Schreien und an Fluchtbewegungen unmittelbar abgelesen werden. Größere Patienten können Schmerzgrade in smile scalen oder Farbscalen angeben, oft unterdrücken sie Schmerzreaktionen.

Im Muskel schmerzt die Dehnung der Muskelfasern, der pH, die Stabilisatoren und Konservierungsmittel verursachen mit und ohne EMLA ein "Brennen" .-

((z.B.: bei Infanrix Hexa* ALOH³ und ALPO4, Medium 199 mit Vitaminen Aminosäuren, Mineralsalzen ua., in Spuren KCL, Na-mono-hydrogenphoshat, K-dihydrogen-phosphat, Formaldehyd, Neomycin und Polymyxinsulfat. Hexavac* hat Di-natriumhydrogen-phosphat, Mono-kaliumphosphat, NaCO³, Na-hydrogen-carbonat, und Trometamol statt Formaldehyd, Neomycin und Polymyxinsulfat in Spuren.))-

Die üblichen 6-er Vaccinen Infanrix Hexa* und Hexavac* zeigten keine Unterschiede in der Schmerzantwort. Einen starken Gegensatz nach im.-Impfung konnte ich zwischen Priorix*und MMR* feststellen, was an der Gelatine des MMR-Impfstoffes liegen mag.

((Priorix*(SB) enthält als Konservierungsmittel in Spuren Neomycin, Phenolsulfon-phthalein, Sorbitol, D-Mannitol, Lactose, Aminosäuren und Human-albumin. MMR*(Chiron-Behring) enthält hydrolysierte Gelatine, < 0,03mg Neomycin, Salze, Phenolrot, Peptide und Humanalbumin und ist bei im.-Applikation zwar weniger als bei sc.gabe aber dennoch äußerst schmerzhaft.))

Unter im.-Injektion von Konjugatvaccinen wie Prevenar* und Meningitec* haben >95% aller Säuglinge und größeren Kinder einen brennenden Schmerz genau 3 Sekunden lang erst bei im.-Freigabe des Impfstoffes mit und ohne EMLA-Creme.

Es kommt also auf die sorgfältige Impf-Technik und Auswahl des Impfstoffes entscheidend an! Der Injex* -eine Nadellose Hochdruckspritze- verursacht mehr Schmerz und Hämatome als die Injektion mittels Nadel. -

EMLA eignet sich hervorragend
zur Schmerzprophylaxe bei der Abtragung von Mollusca contagiosa, verruccae vulgares, filiformer Warzen, bei der Eröffnung von Panaritien nach Baden, beim Spalten von Hautabszessen, zum Lindern von Wundschmerz der Lid- und Lippenrisse, Ohr-, Mundwinkel-, Ano-genital-Rhagaden und -Fissuren, und als gutes Schmerzmittel vor oberflächlichen Laser-, Kryo- oder anderen micro-chirurgischen Eingriffen.

Vor subcutanen Infiltrationsanästhesien eignet sich EMLA vorzüglich, um schmerzarm infiltrieren zu können.

Für die Versorgung offener Wunden ist EMLA eher ungeeignet, es hat sich ein getränkter Tupfer mit LET(=Liposomal encapsulated Tetracain) Gemisch von Lidocain, Epinephrin und Tetracain- bewährt.

Paracetamol geht über Stoffwechsel-Variante von Cox 2, Ibuprofen wird dosiert 10 mg / kg / 6h blockiert Cyclogenase 1+2 nicht selektiv, hat Nebenwirkungen, ist erst seit 1999 zugelassen!

Spasmolytische Therapie: Botox sc., Baclofen it., Mydocalm, Tolperison sediert!


Schmerztherapie in der täglichen Praxis eines Pädiaters

Kinder- und Jugendärzte haben die Aufgabe, Vertrauen zwischen den heranwachsenden Menschen und den Ärzten herzustellen. Soweit möglich wollen wir daher die Konditionierung von Schmerz vermeiden. Trotz aller Bemühungen erhalten nach wie vor nur 10% aller Kinder mit Schmerzen adäquate Schmerzmittel und ca. 90% der Gesamtanalgetika werden Erwachsenen rezeptiert. Deshalb müssen wir uns immer wieder neu anstrengen, Schmerzen in Notfällen, infolge von Krankheiten und bei unvermeidlichen Eingriffen zu lindern. Auch bei Kindern wird Schmerz bestimmt von

  1. der Stärke
  2. der Qualität ( spitz, stumpf, stechend, bohrend..)
  3. der Dauer ( kontinuierlich, repitierend)
  4. dem Ort
  5. dem Befinden vor Schmerzbeginn
  6. der affektiven Einstellung (Erwartungsangst, Führung durch Eltern, Helferin, Arzt)
  7. der Schmerzverarbeitung ( Ablenkbarkeit, Einsichtsfähigkeit)

Akuter Schmerz kann gemessen werden an vegetativen Reaktionen:

Herzfrequenz-, Blutdruck-, Atemtiefe-, Pupillenweite-, Muskeltonus- und Schweißsekretion-anstieg.

Motorisch reagiert das Kind mit Mimik, Weinen, selten mit Bewegungsstarre, meist mit Schutz-Abwehrreflexen (kleine Säuglinge) bzw. gezielten Abwehrbewegungen.

Vokal reicht die Schmerzantwort von Wimmern bis zu schrillem Schreien. Kindergarten- und Schulkinder reflektieren ihren Schmerz, sie malen ausdrucksstarke Bilder; sie ordnen den Grad ihres erlebten Schmerzes Biery- oder smile-Sklalen oder auch Farben zu. Handdruck-algesimetrie ist ebenfalls ein gutes Maß. So können wir auch ohne Schmerzindikator-spiegelmessung (Noradrenalin, Adrenalin, Histamin, Serotonin, Bradykinin, Prostaglandine, ß-Endomorphin) die Schmerzintensität gut einschätzen und das Schmerzmittel danach aussuchen.


In der ambulanten Praxis hat sich das folgende Stufenschema bewährt:

Wirkstoff Handelsname Dosis Plasmaspiegel tox. Applikation
1 Paracetamol (<90mg/kg/d) 10-20 mg / kg / 4 h Tr./ Tbl./Saft p.o
Paracetamol (ben u ron*) 20-30 mg / kg / 4 h 10-25 µg / ml >100 Supp. rectal
2a Acetylsalicylat (Aspirin*) 10-15 mg / kg / 4 h 10-50 µg / ml >250 Tr./ Tbl./Saft p.o
2b Diclofenac (Voltaren*) 1 – 2 mg / kg / 6 h 0,1-2,5µg / ml > 25 Tr./ Tbl./ Supp.
2c Naproxen (Proxen*) 5 – 10 mg / kg / 8 h 25-75 µg / ml >400 Saft / Tbl./ Supp.
2d Ibuprofen (Nurofen*) 5-10-40mg/kg / 6 h 15-30 µg / ml >100 Saft / Tbl.
2e Dexketoprofen-Trometamol 0,5 mg / kg /6 h +Pamidronat#ossär
Analgesie
Tbl.
2f Dexibuprofen (Seractil*) 1 – 2 mg / kg / 6 h 15-30 µg / ml >100 Tbl.
COX2-Hemmer (Parecoxib*) 40 mg / 70 kg im., iv.
3 Metamizol (Novalgin*) 5 – 15 mg / kg / 6 h 1,0-12 µg / ml Tr./ Tbl. / Supp.
Opiate: ( 4-Aminoantipyrin)
4a Epibatidin (in Forschung)
4b Tramadol (Tramal*) 1 - 1,5 mg/ kg / 6 h 0,2-0,6 µg / ml Tr./ iv./im./Supp.
5a Codein (Codicaps mono*) 0,3-1,5 mg/ kg / 6 h 25-50 ng / ml >200 Tr./ Tbl./Saft
5b Dihydrocodein (Paracodin*) 0,5-1 mg/ 2kg/ 8 h Tr./Tbl./Kps/Saft
5c Buprenorphin (Transtec*) 20/30/40mg 3Tage => 35µg/52,5µg/70µg/ h Pflaster
6 Tilidin (Valoron-N*) 1-2 mg /kg / 6 h Nor.. 50-100 ng / ml Tr./ Supp.
7a Pethidin (Dolantin*) 0,5-1 mg / kg / 6 h 100 –500 µg / ml >2000 Tr./iv./im./Supp.
7b Morphin 0,1 - 0,2 mg/kg/6 h 2 – 20 ng / ml >100 Tr./iv./im./Supp.
7c Oxycodon (Oxygesic*) 0,1 – 1 mg/kg/ 12h Tbl.à10/20/40mg
8 Piritramid (Dipidolor* 22mg) 0,05 mg/kg im/iv 6 h 70-140 ng / ml >1000 iv./ im./Supp.
Lokalanaesthetika:
9a Lidocain-Procain (EMLA-Cr) 0,5 mg / kg / < 5qcm max. 60 min.,
alle 8 Std
cutan, mucös
9b Bupivacain (Bucain 0,25%*) 1 ml sc.
9c Mepivacain (Scandicain*1%) 1 ml sc.
9d Procain (Novocain* 1 %) 1 ml sc./ cutan/mucös
9e Lidocain (Xylocain * 0,5%) 1 ml sc./ cutan/mucös
-Ketamin 0,5 mg / kg/ 8 Std bei Neuropathie Tr. p.o.

Adjuvantien können die Analgesie unterstützen:

  1. Sedativa wie Diazepam (Diazepam rectal tube* 5mg bis 10 kg KG, 10mg ab 15 kg KG),
  2. Anxiolytika wie Midazolam (Dormicum* 0,3mg/kg po. als Saftzubereitung oder intranasal als Tr.)
  3. Spasmolytika wie N-Butylscopolamin (Buscopan* 0,6mg/kg/6 h) , Metoclopramid (MCP* 1Tr./3kg)
  4. Antihistaminika (Phenothiazine) wie Promethazin (Atosil* 2 Tr./ 3 kg)
  5. Antiphlogistica wie Prednison (Rectodelt* oder Klismacort* > 2 mg/kg rectal)
  6. Vasoconstrictiva wie Xylomethazolin* bei Sinusitis und Otitis
  7. Serotoninantagonisten: Rizatriptan (Maxalt*lingua Tbl. 5–10mg), Sumatriptan (Imigran* 5/10mg nasal
  8. oder sc.) akut oder Nartriptan (Naramic*), ß-Blocker wie Metoprolol (Beloc* 1-1,5mg/kg/d),
  9. Flunarizin (Sibelium*5mg/40kg), Pizotifen (Sandomigran* 0,5mg) zur einschleichenden Langzeit-
  10. Behandlung bei Migräne und Spannungskopfschmerz.

Unter Ausdosierung der Einzelpharmaka werden erfolgreich folgende Kombinationen eingesetzt:

  1. Paracetamol + N-butylscopolamin bei Darmkoliken und Harnwegskoliken
  2. Paracetamol + Dihydrocodein bei schmerzhafter Laryngotracheitis sicca
  3. Metamizol + Tramadol + Promethazin bei unzureichender Mono-analgesie
  4. Metamizol + Tramadol + Midazolam bei fehlender Anxiolyse und unzureichender Analgesie

Wie gehen wir in der Praxis vor? Die praeventive Kausaltherapie vermeidet schmerzhafte Eingriffe:

  1. 17-ß-Oestradiol-Creme (Oestro-Gynaedron M*) löst Labiensynechien und Vorhautverklebungen zuverlässig (98%), ersetzt operative Synechielösung bzw. dorsale Vorhauterweiterungsplastik.
  2. Silbernitrat-stifte koagulieren und verschließen Urachusfisteln.
  3. Histacryl-kleber verschließen cutane Riß-Schnitt-Platzwunden.
  4. Funktionelle stabile Lagerung und Schienen lindern Frakturschmerz. Spreizschalen in der Neonatalphase vermeiden Hüftoperationen. IPOS-Federsandalen reponieren Sichelfüße.
  5. Kompression bei Hämatomen am Schädel, Eiskühlung bei Quetschung, Gelenkdistorsion und
  6. Abszeßentleerung bei Panaritium und Balanitis sowie Fremdkörperextraktion mildert Schmerz.
  7. Fließend kaltes Wasser bei Verbrühungen. Aluderm*, Curaprox CS 1560 soft, Metaline*, Flammazine*-Verbände verkleben nicht mit dem Wundsekret, haften bei Verbandswechsel nicht. So läßt sich ein Verbandwechsel schmerzarm gestalten.
  8. N-Butylscopolamin-Suppositorien oder Magensonden als Blasenkatheter (mit Xylocain-gel) bei Blasenhochstand der Mädchen lassen sich schmerzfrei anstelle einer Blasenpunktion durchführen,
  9. Microclist oder Klysmen wie hohe Einläufe mit flexiblen Sonden lindern Obstipationsschmerz.
  10. IR-Infrarot oder Mikrowelle bei Sinusitis und Muskelhartspann (Schiefhals.) wirken analgetisch.
  11. Die Einrenkung der Luxation des kleinen proximalen Radiusgelenkes (n.Chassaignac) spart Analgetika.
  12. Virostatica (Aciclovir, Zovirax*) und Derivate (Famvir*) bei Windpocken-Zoster und Herpes I, II sowie
  13. Adstringentien (Pyoctanin 0,5% aq, Gentianaviolett, Rivanol*, Tannolact*Bad...) bei Haut-Schleimhaut-ulcera verkürzen die Wundtrocknung und fördern die Granulation.
  14. An Mundschleimhäuten wirken L-Peptide nach Prof.Gauri/Pharmakologe HH-Eppendorf analgetisch, schmerzhafte Lidrisse verkleben, Juckreiz schwindet. Seit Oktober 1985 konnten Erfahrungen mit dem speziellen Molkehydrolysat an ca.1400 Patienten mit Atopischer Dermatitis gewonnen werden. Lokalanästhetika wie Dentinox-N*Zahnungshilfe (1g=Kamille! 50mg, Lidocain 3,4mg , Polidocanol 600 3,2mg), Herviros*(100g=Tetracain 1g, Aminoquinurid 0,5g), Dynexan A Gel (1g=20mg Lidocain, 1mg Benz-alkoniumchlorid), Recessan* (1g=30 mg Polidocanol) sind alle zu kurz wirksam, zu rasch aufeinanderfolgende Applikationen führen zu Nebenwirkungen. Die kurzfristige unerwartet-komplette Mundanalgesie führte zu schmerzhaften Bißverletzungen. Allergisierungen gegen Anaesthetika werden beschrieben.
  15. Bei Pneumonie, Asthmaschub, Bronchiolitis-tachydyspnoe und Phrenicusschmerz haben sich O2- vorlage, Cortison, bei Orthostase Carnigen forte Tr.(1/2 Tr./kg KG) und Volumensubstitution neben frühzeitig ausreichender Cortisongabe bewährt. Nasale Vasoconstrictiva wie Xylometazolin bessern Unterdruckschmerz bei Sinusitis und Otitis. Rezeptorblocker wie Singulair verhindern allergisches Asthma bronchiale und Sinusitis. Conjunctivale und Außenohr-Schmerzen sistierten auf Vasoconstrictiva wie Xylometazolin. Die neuen Immunmodulatoren Elidel* und Protopic* wirken rasch analgetisch und entzündungshemmend

In der Praxis haben sich folgende Analgesie-regime bewährt:

  1. EMLA leistet als Lokalanästetikum 45-60 Minuten unter Occlusivfolie aufgetragen gute Dienste bei operativer Entfernung von Mollusca contagiosa und Fuß-Handwarze, bei Eröffnung von Panaritien und Abszessen, bei Wundschmerz unter Perioral-ulcera wie bei Herpes, Otitis externa, Lidfaltenriß, Vulvitis- und Balanitis-dysurie, Analrhagaden-obstipation, bei Vorhaut- oder Labiensynechielösung und zur schmerzarmen Venenpunktion.
  2. Für die geplanten Eingriffe wie die ca. 1000 Impfungen pro Jahr hat sich die Auswahl des Injektionsortes (M.vastus lateralis des M.quadriceps femoris ), der 90° Injektionswinkel , der kurze Schliff der ultrafeinen 27 G – Terumo-Injektionsnadel verbunden mit genauer möglichst gefäßfreier Injektion und anschließender Kompression bewährt, bei Infusionen über 1-4 Stunden benutzen wir - nach EMLA-anaesthesie - 27 G bis 25 G Butterfly-Venisystems für gelenkfreie Extremitätenvenen.
  3. Anxiolytica oder Sedativa werden bei psychischen Traumen, bei Erwartungsängsten vor Eingriffen, vor NMRT- oder CT-untersuchungen, sonst fast nur in Kombination wie bei schmerzhaften Frakturen, Luxationen oder Distorsionen eingesetzt. Dabei erhalten Kinder nach Herniotomie, Appendektomie, dorsaler Vorhaut- erweiterungsplastik Nicht-Opiat-Analgetika wie Naproxen oder Diclofenac oder Novaminsulfon stets ausdosiert, erst dann kombinieren wir mit Opiaten.
  4. Wenn ein Kind mit Kopfschmerz in die Praxis kommt kann es sich um Migräne, Sinusitis, Angina,
  5. Otitis, Gingivitis, Zahnabszeß, Lymphadenitis, torticollis spasticus, Trapezius-Sternocleidomasteideus- Muskelhartspann, Tränennasengangobstruktion, Dacrocystitis, Conjunctivitis, Iridocyclitis, Glaukom, Linsentrübung, Katarakt, Hyperopie, Myopie, Strabismus, Astigmatismus, M.Basedow-Hyperthyreose, aber auch Meningitis, Hirntumor, Hydrocephalus, Halswirbelsäulendistorsion, Frakturen an Schädel, Schulter und Wirbelkörper oder osteogene Tumoren handeln. Wir setzen Metamizol ( N-methyl-N 2,3-dimethyl-5-oxo-1-phenyl-3-pyrazolin-4y-l-aminomethansulfonsäure) (Novalgin*-Tr. 1 Tr./ 3 kg) neben Diclofenac (12,5mg/12 kg rectal), Proxen* oder Tramadol*-Tr. ein.
  6. Kinder mit Frakturen erhalten in der Regel Metamizol.
  7. Bei Bauchschmerz muß gedacht werden an Nabelkoliken (beim Sgl. in 50% Kuhmilchintoleranz!), Schrei-oder Nahrungsmittel-ausgelösten Meteorismus, an Obstipation, Analfissur oder –fistel,
  8. M.Hirschsprung, Enterocolitis mit Lymphadenitis mesenterialis, Appendicitis, M.Crohn, Colitis ulcerosa, Leistenhernie, Ileus (Invagination, Volvukus oder toxisch), Blasenhochstand infolge Obstipation, Harnwegsinfekt, Hydronephrose, Megaureter, aber auch an Bauchdeckenmyalgie nach Sport, Pneumonie, Sinusitis und Otitis media (Kleinkd.zeigen stets B.) Seltene Befunde sind Pancreaspseudocysten oder Milzrupturen, Pancreatitiden, Hepatitiden. Entsprechend unterschiedlich ist die Analgesie.
  9. Kinder mit Verbrennungen erhalten meist Tramadol (3 Tr./ 5kg ) oder Novaminsulfon. Prae- und postoperativ ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Chirurgen und den Kinderärzten erforderlich. Wir erhalten kurze Mitteilungen über die gewünschte präoperative Vorbereitung sowie die postoperative Nachsorge. Schonende mikrochirurgische OP-technik mit kleinen Zugängen und Schnittführungen entspechend den Spaltlinien der Haut, symmetrisch-spannungsfreie subcutane Adaption und fortlaufende Intracutannähte oder Acrylverschluß sparen postoperative Analgesie. Eine postoperativ ausreichende Analgesie unterstützt die Wundheilung. Frühe postoperative Erstvorstellungen nach Klinikentlassung ggf. zur Erweiterung der Nachsorge (Antibiotika, Wund-spülung, Drainentfernung) reduzieren oft unnötige Schmerzen. Splints bei Megaureter, alle Drainagen über längere Zeit sind ein sehr großes Infektionsrisiko. Dies gilt es einzugrenzen.Das Ziel der galenischen Entwicklung der international vernetzten (globalisierten) Pharmaindustrie für die Pädiatrie sollte es m.E. sein, die Applikationsform den Bedürfnissen der Praxis international standardisiert anzupassen. Alle oralen Analgetika sollten in Tropfen- und Pelletsform vorliegen, die Standarddosis und Arzneimittelkonzentration 1 Tr.= 1 Pellet pro 3 kg KG sollte für alle Arzneimittel gelten (5 Tropfen können werder aspiriert noch erbrochen werden, Pellets werden von Kindern gern auf Yogurtlöffel eingenommen).

Die Arzneimittel sollten nicht allergene Adjuvantien enthalten und ohne Farbstoff auskommen. Auf Packung und Flasche bzw. Dose sollte die Dosiervorschrift pro kg und Zeit aufgedruckt sein. Sicherheits-druckdrehverschlüsse und portionierte Abgabesysteme sollten vor accidenteller Ingestion schützen. Die Vorteile liegen auf der Hand : Die Applikation bei Säuglingen und Kleinkindern ist sicher, da 5 Tropfen weder aspiriert, noch erbrochen werden; die buccal-sublinguale Resorption ist anderen Darreichungen überlegen, Dosierungsunsicherheiten werden auch durch die Standardisierung beseitigt. Für die sichere prolongierte Wirkung ist bei Erbrechen die rectal-tube-Form des Diazepam vorbildlich. Mit einem umweltfreundlichen Kunststoff ist diese Umstellung auch für alle Suppositorien wünschenswert.

Um bei zunehmender Allergisierung der Kinder vermeidbare Nebenwirkungen zu sparen, sollte auf fixe Kombination verschiedener Substanzen weitgehend verzichtet werden, denn die Wirkung eines Kombinationspräparates kann nur so gut sein wie die individuell ausdosierte Gabe der Analgetika unter Berücksichtigung additiver Effekte.

Migräne Schmerztherapie

  • Maxalt lingua* 5 / 10 mg Tbl. bei Beginn des Migräneanfalls oder in der Aura verhindert Kopfschmerz.
  • Imigran nasal* 20 mg oder sc. 0,5 ml ebenso.
  • Ibuprofen 200 mg / 30 kg oder Proxen* 250 mg / 25 kg ( je 5-10 mg/kg/6 Std.) lindern Schmerz.
  • Vomex* (Dimenhydrat) 50 mg/ 10 kg als Rectalzäpfchen bessert Übelkeit - Erbrechen.
  • Diacepam 10 mg tube* bis zu 20 kg KG löst Verspannung .
  • In schmerzintensiven Notfällen mit anhaltendem Erbrechen, Schwindel hilft die iv.-Infusion von :
  • 1g Lysinacetylsalicylat* + 10 mg MCP* ggf. mit Dormicum*.

Aktualisiert (Montag, den 15. Oktober 2012 um 14:32 Uhr)